Naturzeit vor der Haustür: Meine Auszeit an der Leine

Eine einfache Runde durch die Südliche Leineaue südlich von Hannover, großteils auf dem Johann-Duve-Weg. Knapp 18 Kilometer fast ohne Steigung, gut für einen grauen, kühlen Tag, an dem man einfach gehen und schauen will.

Bewölkt ist das beste Wanderwetter

Ein bewölkter Tag ist eigentlich das beste Wanderwetter: angenehm kühl, und man kommt nicht so schnell ins Schwitzen. Unterwegs war kaum eine Menschenseele, nur hier und da jemand beim Gassigehen. Sonst herrschte diese tiefe Ruhe, die man im Alltag so selten findet. Kurz vor der Brücke am Reinekamp hat mich dann doch noch ein fieser Schauer erwischt, aber das hat die Stimmung nicht verdorben. Ich habe den Regen unter einem dichten Baum ausgesessen und die Zwangspause für einen Snack genutzt. Danach blieb es trocken, und ich konnte den Rest der Runde genießen.

Am alten Leinewehr in Döhren
Das alten Leinewehr in Döhren

Am alten Leinewehr in Döhren

Kurz nach dem Start in Ricklingen kommt man zum Leinewehr in Döhren. Den Stau ließ schon 1667 der Hannoveraner Kaufmann Johann Duve anlegen, vor allem zum Schutz vor dem damals häufigen Hochwasser der Leine. Nach ihm ist auch der Weg benannt, auf dem ich hier unterwegs bin. Das rote Backsteingebäude daneben ist das ehemalige Turbinenhaus der Döhrener Wolle, heute als „Brückenhaus“ auf der Leineinsel ein Industriedenkmal. Es spiegelt sich ruhig im Wasser, daneben hängt eine Trauerweide fast bis zur Oberfläche.

Die Zahnräder des Schützenwehrs

Direkt daneben stehen die alten, eisernen Zahnräder des Schützenwehrs. Damit wurde früher von Hand der Wasserstand reguliert. So ein Stück Technik übersieht man leicht, dabei erzählt es von der Döhrener Wolle, der ersten deutschen Fabrik zur mechanischen Wollwäsche, die hier ab Mitte des 19. Jahrhunderts die Wasserkraft der Leine nutzte.

Das rauschende Wehr

Das rauschende Wehr (Stromschnelle)
Das rauschende Wehr (Stromschnelle)

Am Wehr selbst wird es kurz laut. Heute staut eine flache Stufe im Flussbett das Wasser, daneben führt ein Umgehungsgewässer entlang, damit Fische die Leine wieder hinaufwandern können. Von einem kleinen Balkon kann man dem rauschenden Wasser zusehen. Viele kommen nur dafür hierher. Danach wird es wieder still.

Hinaus an die weite Leine

Nach kurzer Zeit öffnet sich die Landschaft. Ich bin jetzt in der Südlichen Leineaue, dem Naturschutzgebiet zwischen Hannover und Ruthe, das sich über rund 1000 Hektar zieht. Die Leine lag dunkel und ruhig unter dem schweren Himmel, kaum eine Bewegung im Wasser. Genau die Stimmung, für die sich ein grauer Tag lohnt.

Stille Altwasser

Der Weg führt am Ufer entlang, vorbei an spiegelglatten Altwassern, in denen sich die Bäume abzeichnen. Die Leine mäandriert hier noch, mit Steil- und Gleitufern und Resten von Auwald. Hier hört man phasenweise nur die eigenen Schritte und ab und zu einen Hund in der Ferne.

Schafe auf einer Auenwiese
Schafe auf einer Auenwiese

Auenwiese mit Schafen

Richtung Wilkenburg liegen weite Weiden. Hier stand eine Herde Schafe im hohen Gras und hat kaum aufgesehen, als ich vorbeikam. Die Beweidung hat einen Grund: Die Wiesen werden im Naturschutzgebiet bewusst extensiv gepflegt, damit Wiesenvögel und Störche genug Lebensraum finden.

Das Storchennest

Auf einem Pfahl ein großes Storchennest, an diesem Tag leer. Das ist hier kein Zufall. Die Wiesen rund um solche Nester werden erst spät gemäht, ab Mitte Mai oder Anfang Juni, damit die Störche in der Aufzuchtzeit genug Futter finden.

Über die Einsiedlerbrücke

Über die Leine führt die alte Einsiedlerbrücke, eine denkmalgeschützte Stahlfachwerkbrücke von etwa 1908. Früher fuhr hier die Werkseisenbahn der Döhrener Wolle, um das westliche Werksgelände zu erreichen, heute gehen nur noch Spaziergänger und Radfahrer darüber. Den Namen hat sie von Edelbert Aselmann, der rund 25 Jahre als Einsiedler in der Leinemasch lebte, eine Zeit lang direkt an der Brücke. Sie ist in die Jahre gekommen, aber genau das macht sie schön.

Die Einsiedlerbrücke ist eine denkmalgeschützte ehemalige Eisenbahnbrücke
Die Einsiedlerbrücke ist eine denkmalgeschützte ehemalige Eisenbahnbrücke

Regenpause an der Holzbrücke

Knapp vor der Holzbrücke am Reinekamp fing es dann an. Ich habe mich unter einen Baum gehockt, den Proviant ausgepackt und dem Prasseln zugehört. Zehn Minuten später war der Spuk vorbei, und die nasse Brücke glänzte im matten Licht. Solche einfachen Holzstege sind typisch für die Leinemasch, die hier von Flachwasserzonen und Seerosen durchzogen ist. An mehreren Stellen führen ähnliche Brücken über das Wasser, und in der Aue sind sogar Biber unterwegs.

Zurück nach Ricklingen

Von der Brücke aus schließt sich die Runde zurück nach Ricklingen. Knapp 18 Kilometer, kaum Höhenmeter, und doch der Kopf voller Natur. Zu Hause kam ich ruhig und zufrieden an.

Praktische Infos

Start und Ziel: Ricklingen, gut mit Stadtbahn und Bus aus Hannover erreichbar.
Wegverlauf: großteils auf dem Johann-Duve-Weg durch die Südliche Leineaue.
Anspruch: fast komplett eben, gut für einen entspannten Spaziergang, Familien oder Genusswanderer.
Zeit: lang genug für einen schönen halben Tag an der frischen Luft.

Quellen (Faktencheck)

Wikipedia (Leinewehr, Johann Duve, Wilkenburg), hannover.de (Leinewehr Döhren, Südliche Leineaue), NLWKN (NSG Leineaue zwischen Hannover und Ruthe).



Faktenbox für Benutzer von Komoot

Startpunkt: Ricklingen, Einsiedlerbrücke
Komoot-URL: https://www.komoot.com/de-de/tour/2568902367